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Zahnschäden durch Bulimie  

Wenn Bulimie die Zähne zerstört

Nicht nur mangelnde Zahnpflege schädigt die Zähne, auch die Begleiterscheinungen von Schwangerschaften und psychischen Erkrankungen stellen eine Gefahr für die Zähne dar. Die Betroffenen werden von heftigen Essattacken geplagt und zwingen sich anschliessend, das Gegessene zu erbrechen. Die Folge: Mit der Zeit kommt es zu zahlreichen gesundheitlichen Schäden – auch die Zähne sind betroffen.

Essstörungen bringen körperliche und psychische Probleme - und können Ursache für Zahnschäden sein. So haben an Bulimie Erkrankte meist schon nach wenigen Krankheitsjahren sichtbare Schädigungen durch Erosion, den Verlust von Zahnhartsubstanz durch Säureeinwirkung.

Die ätzende Magensäure, die beim Erbrechen in die Mundhöhle gelangt, greift den Zahnschmelz an und löst ihn auf. Mit fortschreitender Erosion wird empfindliches Dentin freigelegt. Die Schädigung der Zähne wird dann deutlich sichtbar. Die Beschwerden nehmen zu. Die Patienten leiden an fortschreitender Überempfindlichkeit gegen Reize wie heiss, kalt, süss, sauer.

Magensäure zerstört die Zähne

Beschränkt sich bei Schwangeren die ungeliebte Begleiterscheinung meist auf nur wenige Wochen und bleibt bei richtigem Verhalten ohne langfristige Folgen, kommt es bei an Bulimie Erkrankten zu Säureschäden, die zuerst an der Innenseite der Oberkieferzähne auftreten und daher oft unbemerkt bleiben. Ein erstes Warnsignal ist eine gesteigerte Empfindlichkeit der Zähne bei heissen, kalten, süssen oder sauren Speisen. 

Mittelfristige Schäden zeigen sich dann an den Schneidekanten der Front- und Eckzähne: Sie weisen typische Mulden oder Randzackenbildungen auf. Nach Jahren werden auch an anderen Zähnen starke Veränderungen beobachtet: Im fortgeschrittenen Stadium kann es gar zu erheblichen Verkürzungen der Schneidekanten kommen.

Nach Erbrechen gilt: Finger weg von der Zahnbürste

Weil der Zahnschmelz durch die Magensäure sehr schnell weich wird, ist das Zähneputzen nach dem Erbrechen tabu. Frühestens 30 bis 60 min sollte man hiermit warten. Sinnvoll ist es, den Mund mit einer neutralisierenden Flüssigkeit zu spülen. Auch intensive Spülungen mir einem fluoridihaltigem Mundwasser, klarem Wasser oder mit Milch schützen die Zähne.

Der optimale Schutz der Zähne kann mit einer sogenannten „Medikamententrägerschiene“ erreicht werden. Diese wird individuell nach Abformung der Kiefer angefertigt und soll vor dem Erbrechen – möglichst mit einem neutralen Fluoridgel versehen – eingesetzt werden. Diese Schiene kann dann auch über Nacht getragen werden, um den Zahnschmelz aufzubauen.

Allgemeine Tipps zur Zahnpflege

Wer häufig erbricht, sollte eine weiche Bürste mit abgerundeten Borsten verwenden. Generell sollte mit der Zahnbürste nur geringer Druck auf die Zähne ausgeübt werden. Heftiges Querschrubben sollte vermieden werden. Des Weiteren ist es ratsam, eine fluoridhaltige Zahnpasta und einmal wöchentlich ein Fluoridgel zu verwenden, um die Zähne zu stärken und zu schützen. Regelmässige Besuche beim Zahnarzt helfen – wo notwendig – zusätzliche professionelle Vorbeugungsmassnahmen zu ergreifen, um weitere Zahnschäden zu vermeiden. Auch sollte auf zu stark säurehaltige Nahrung und Getränke verzichtet werden.

Restauration der Zähne nach Substanzverlust 

Wie sieht die Therapie aus, wenn die Zahnschäden schon fortgeschritten sind?

Welche therapeutischen Möglichkeiten zur Anwendung kommen, wird befundabhängig entschieden. Medizinische Parameter wie der Destruktionsgrad der Zähne, die Dimension des vertikalen Verlustes, etwaige Mittellinienverschiebung, dental bedingte Impressionen in der Gaumenschleimhaut, Schädigung der Papilla incisiva, Pathologien des mandibulär-muskulären Systems und der funktionelle sowie psychosoziale Leidensdruck des Patienten bestimmen im Wesentlichen die Entscheidung der Therapieform. Behandlungseinleitend wird eine klinische Funktionsanalyse durchgeführt und es werden Abformungen genommen. Die klinische Funktionsanalyse zusammen mit der technischen Analyse der Studienmodelle des Patienten geben Aufschluss darüber, welche Therapiemassnahmen erforderlich werden. 

  1. Sind die Substanzdefekte noch nicht allzu gross, können diese mit zahnfarbenem Komposit gedeckt werden.

  2. Bei weiter vorangeschrittenem Destruktionsgrad werden restaurativ-prothetische Massnahmen wie die Versorgung der Zähne mit Keramikkronen, Veneers und Tabletops  erforderlich.

    Aufgrund der Komplexität der therapeutischen Massnahmen wird vor Beginn der behandlung im zahntechnischen Labor eine Behandlungssimulation vorgenommen, die Aufschluss über das ästhetische und therapeutische Ziel der Behandlung gibt. Hierbei wird die Ziel-Situation als Wax-up auf den Studienmodellen des Patienten veranschaulicht. Ein Mock up aus Kunststoff direkt im Patientenmund demonstriert, wie die Zähne und die sich eventuell daraus ableitende Veränderung des Gesichtsprofils und der –physiognomie nach Abschluss der Therapie aussehen könnten.

    Während der Behandlungsphase kann und soll der Patient Einfluss auf sein späteres ästhetisches Erscheinungsbild nehmen. Es gibt einige Termine in unserem Labor, in denen die Farbe und Form der Zähne bestimmt und optimiert werden, bis dem Patienten das Endergebnis gefällt.

    Nach Abschluss der Akkomodationsphase wird der temporäre Zahnersatz in den definitiven umgesetzt. Nach Eingliederung der definitiven Versorgung erhält der Patient eine Michiganschiene für die Nacht, um Zähne und Kiefergelenk zu schützen und zu entlasten.
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